24.01.2018

Neue Regeln zur Mehrwertsteuerpflicht in der Schweiz

Am 01.01.2018 ist in der Schweiz eine Teilrevision des schweizerischen Mehrwertsteuerrechts in Kraft getreten. Das MWSTG sieht in Art. 10 Abs. 2 vor, dass Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 100.000 CHF innerhalb eines Jahres von der Mehrwertsteuerpflicht befreit sind. Bislang waren für die Ermittlung der Umsatzgrenze nur die in der Schweiz getätigten Umsätze maßgeblich. Mit der Teilrevision neu eingeführt wurde die Regelung, dass es auf den Weltumsatz eines Unternehmens ankommt.  

Wer die 100.000 CHF-Schwelle überschreitet, muss in der Schweiz bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung eine Mehrwertsteuernummer beantragen und seinen Kunden die Schweizer Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Er hat außerdem

  • einen Fiskalvertreter zu bestellen,
  • eine Sicherheitsleistung zugunsten der Eidgenössischen Steuerverwaltung zu erbringen,
  • in der Regel vierteljährlich Steuerabrechnungen einzu reichen.

Die Betriebe werden ab dem ersten Franken Umsatz in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig. Es gibt keine Bagatellregelung!

Da zum Weltumsatz auch der im Heimatland erzielte Umsatz zählt, dürften die meisten von Deutschland aus in der Schweiz tätigen Betriebe nunmehr von der Mehrwertsteuerpflicht betroffen sein.

Zum 01.01.2018 haben sich auch die Mehrwertsteuersätze in der Schweiz geändert. Der Normalsatz beträgt jetzt 7,7 %, der reduzierte Steuersatz für bestimmte Güter des täglichen Bedarfs (z. B. Nahrungsmittel, Zeitungen) 2,5 % und der Sondersatz für Beherbergungsleistungen 3,7 %.

Fiskalvertreter

Der Schweizer Fiskus verlangt von ausländischen Betrieben die Benennung eines Fiskalvertreters. Fiskalvertreter kann jede natürliche oder juristische Person mit Wohn- oder Geschäftssitz in der Schweiz sein.

Formular Erklärung über die Steuervertretung für die Schweiz: https://www.estv.admin.ch/dam/estv/de/dokumente/mwst/formulare/vollmachten/0620_01.pdf.download.pdf/dm_0620_01.pdf 

Der Fiskalvertreter rechnet die Mehrwertsteuer nach den Bestimmungen des Mehrwertsteuergesetzes gegenüber der Eidgenössischen Steuerverwaltung ab. Er  muss an seiner Adresse sämtliche Dokumente, die für eine Umsatzsteuerprüfung von Belang sind, bereithalten. Verantwortlich für die Bezahlung der Steuer ist das ausländische steuerpflichtige Unternehmen selbst.

Sicherheitsleistung zugunsten der Eidgenössischen Steuerverwaltung

Ausländische Betriebe müssen eine Sicherheit zugunsten der Eidgenössischen Steuerverwaltung leisten. Dies geschieht in der Form einer Bareinlage oder einer Bürgschaft einer in der Schweiz ansässigen Bank in Höhe von 3 % des erwarteten steuerbaren Inlandsumsatzes in der Schweiz, mindestens aber 2.000 CHF (höchsten 250.000 CHF). Die Sicherheitsleistung wird nach Löschung aus dem Mehrwertsteuerregister zinslos zurückerstattet. Bürgschaften ausländischer Banken werden nicht akzeptiert.

Fristen

Die Steuerpflicht beginnt mit dem erstmaligen Erbringen einer Leistung in der Schweiz. Personen, die steuerpflichtig werden, haben sich unaufgefordert innerhalb von 30 Tagen nach Beginn ihrer Steuerpflicht bei der ESTV schriftlich anzumelden.